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Von Portugal als Expat nach Deutschland

Der Schritt ins Ausland ist eine ganz besondere Herausforderung. Die Personalentwickler von Kirchhoff Automotive zeigen am Beispiel von Hugo F., welche Herausforderungen in den ersten Wochen in der neuen Heimat auf „Expats“ zukommen. Auch wenn das Unternehmen alle Schritte unterstützt, geht es nicht ohne Eigeninitiative.

Mit über 8000 Beschäftigten weltweit ist Kirchhoff Automotive ein globaler Player in der Automobilzulieferindustrie. Das Unternehmen liefert komplexe Metall- und Hybridstrukturen für Rohkarosserie und Fahrwerk an führende Hersteller für Pkw und Nutzfahrzeuge. Im Nutzfahrzeugbereich gehören unter anderem Achsgehäuse, Querträger, Frontunterfahrschutze und Tankhalterungen zum Produktportfolio. Egal in welchem Bereich die Beschäftigten arbeiten, durch die internationale Aufstellung mit 30 Standorten in elf Ländern haben sie automatisch Schnittstellen mit Kollegen und Kolleginnen aus anderen Kulturen in Europa, Asien und Nordamerika. Die Dynamik der Automobilindustrie, gepaart mit spannenden technologischen Weiterentwicklungen, fasziniert Absolventen und Young Professionals im Bereich Maschinenbau, Wirtschaftsingenieurswesen sowie Wirtschaftswissenschaften.

UMZUG NACH DEUTSCHLAND

„Familie und Freunde zurück zu lassen, um in ein anderes Land zu ziehen, ist keine einfache Entscheidung. Nachdem ich diese Entscheidung getroffen habe, sind es kleine Unterschiede, die zu Herausforderungen werden. Wie melde ich Strom für meine Wohnung an? Wie funktioniert das Gesundheitssystem?” beschreibt Hugo F. seine ersten Erfahrungen, nachdem er seinen Arbeitsplatz von Porto in Portugal nach Attendorn in Deutschland verlegt hat. Im Rahmen des firmeninternen Talent-Management-Programms an seinem Heimatstandort in Portugal wurde Hugo F. früh in seiner Weiterentwicklung unterstützt. Als er nach Abschluss des Programms das Angebot erhielt, die Leitung des Bereichs „Kirchhoff Automotive Production System“ für Europa und Asien zu übernehmen und im Rahmen der neuen Herausforderung nach Deutschland zu ziehen, zögerte er nicht. Obwohl Hugo F. schon lange auch mit deutschen Kollegen in internationalen Projekten zusammengearbeitet hat, lernt er die deutsche Kultur durch seinen Aufenthalt erst richtig kennen. „Ich bin schon immer viel gereist in meinem Job; so war der Umzug nach Deutschland kein großer kultureller Schock. Ich hatte Unterstützung von meinen Kollegen, die mittlerweile Freunde geworden sind. Trotzdem fühle ich mich noch nicht wirklich vollständig integriert. Während in meiner Kultur soziale Kontakte auch neben der Arbeit eine sehr wichtige Rolle spielen, muss ich mich hier in Deutschland erst daran gewöhnen, selber viel Initiative zu zeigen, um Kontakte zu knüpfen.“

ENTWICKLUNGSPROGRAMM

Hugo F. wird gezielt durch ein globales Führungskräfteentwicklungsprogramm unterstützt, in dem alle Führungskräfte weltweit zusammentreffen und gemeinsam mit Trainings, Coachings und Erfahrungsaustausch nicht nur sich selber entwickeln, sondern auch diskutieren, wie sie gemeinsam die definierten Werte und die Kultur des Unternehmens vorantreiben. „Für mich ist es motivierend, auch für die Entwicklung von meinem eigenen Team verantwortlich zu sein. Kontinuierliches Lernen ist eines unserer Lean Prinzipien, hinter denen ich voll und ganz stehe.“ Obwohl in seiner international ausgerichteten Rolle die Kommunikation weitestgehend auf Englisch erfolgt, besucht er darüber hinaus Deutschkurse. Die lokale Sprache zu sprechen hilft, sich zu integrieren und schneller zurecht zu finden. Sobald Beschäftigte aus dem Ausland zurück nach Deutschland kommen oder ins Ausland gehen, erhalten sie die notwendige Unterstützung. Dazu gehören Sprachkurse oder interkulturelle Trainings.

STÄNDIG IM DIALOG

Wie lange Hugo F. in Deutschland bleiben wird, steht noch nicht endgültig fest. Als familiengeführtes Unternehmen legt Kirchhoff Automotive viel Wert auf einen ständigen Austausch, um sicherzustellen, dass keine Frustration oder Überforderung entsteht – weder für den Mitarbeiter, noch für die Familienmitglieder, sollten diese mit ins Ausland ziehen.

CHANCEN NUTZEN

Für Unternehmen ist es wichtig, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden und intern zu entwickeln, die bereit sind, auch in einem internationalen Umfeld zu agieren. Wer hier Flexibilität und Initiative zeigt, erhält die Chance, Karriereschritte auch über die lokale Niederlassung hinaus zu planen. Die Personalentwickler versuchen, frühzeitig das Potenzial bei den Beschäftigten zu erkennen und zu fördern. Sie können jedoch nur die Strukturen und Prozesse schaffen. Es liegt dabei an jedem einzelnen Beschäftigten, diese Chancen auch zu nutzen. Wenn zusätzlich zur Lernbereitschaft und dem Streben nach Leistung noch die Flexibilität kommt, den Schritt ins Ausland zu wagen, ist das sowohl für die Entwicklung des Mitarbeiters als auch für das Unternehmen eine echte Win-win-Situation.

PORTRÄT

Hugo F. stieg 2008 als Manufacturing Engineer bei Kirchhoff Automotive am Standort Ovar in Portugal ein. Schon als „Inhouse Lean Consultant“ übernahm er Verantwortung für internationale Projekte, um das Thema Lean Management an allen Produktionsstandorten voranzutreiben. Für die Führungsposition im Bereich „Kirchhoff Automotive Production System“ zog er 2015 nach Attendorn (Deutschland) und steuert von dort den Bereich für Europa und Asien.

(Quelle: ATZextra Neue Perspektiven für Ingenieure (Ausgabe September 2016)

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