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Flammender Appell für TTIP Vertrag

Beim IBSV-Traditionsessen machte Festredner Arndt G. Kirchhoff deutlich, warum Europa gerade wegen des drohenden Brexit das Abkommen noch mehr braucht.

Als „Sauerei gegenüber der britischen Jugend“ bezeichnete Festredner Arndt G. Kirchhoff am Samstag beim IBSV-Traditionsessen in der Parkhalle das Ergebnis der Brexit-Abstimmung. „Denn 80 Prozent von ihnen möchten in der EU bleiben“, machte der geschäftsführende Gesellschafter von KIRCHHOFF Automotive vor rund 200 Gästen aus Wirtschaft, Gesellschaft, Politik und Verwaltung deutlich. Großbritannien habe sich jetzt „zunächst mal ins Abseits gestellt“. „Wir müssen die Grenzen offenhalten“, verdeutlichte Kirchhoff, dessen im Mai bereits vereinbartes Thema „Das Modell Deutschland und seine Zukunft – warum TTIP kommen muss“ lautete. Die Bedeutung des transatlantischen Freihandelsabkommens für Europa und gerade fürs „Erfolgsmodell Deutschland“, das auf der sehr guten Ausbildung, den Innovationen, den regionalen Wertschöpfungsketten und der mittelständischen Wirtschaft beruhe, sei durch den drohenden Brexit noch gewachsen. Kirchhoff versuchte deswegen, die mit dem Abkommen vielfach verbundenen Befürchtungen (Verbraucherschutz, Tarifautonomie, Schiedsgerichte) zu widerlegen, und mahnte, dass Europa nicht das Nachsehen habe.

Andreas Heine von der Kirchhoff Automotive GmbH mit Sitz in Iserlohn warnt vor Panik: „Natürlich ist das ein schlechter Tag für Europa. Es wird nur Verlierer geben.“ Da man Autoteile an Automobilhersteller in der ganzen Welt vertreibe, sieht er kurzfristig keinen Engpass auf das Unternehmen zukommen. „Es wird vor allem die Firmen treffen, die ihre Produkte direkt an Kunden in Großbritannien verkaufen.“ Die Situation seines Werkes in Wales, wo unter anderem Kehrmaschinen produziert werden, werde sich bei niedrigem Pfund „nicht gerade verbessern“. „Dann haben wir dort einen nachhaltigen Wettbewerbsnachteil.“ Von der Entscheidung der Briten ist Andreas Heine persönlich enttäuscht: „Am Vorabend habe ich tatsächlich noch gedacht: Es wird gut gehen. Die Briten wählen definitiv den falschen Weg. Nur mit Allianzen kann man sich heute noch weltweit behaupten.“

Dafür, dass den Engländern vielleicht gar nicht bewusst ist, wie sehr sie mit der EU verbunden sind, ist KIRCHHOFF Ecotec ein Beispiel, wozu die Marke FAUN (Müllfahrzeuge/Kehrmaschinen) gehört. FAUN hat ein Werk in Wales, in dem aber ausschließlich für den englischen Markt produziert wird. Eigentlich also kein Problem, könnte man meinen. Aber: Das Werk in Wales ist lediglich ein Montagewerk. Die Einzelteile kommen aus Deutschland und Polen. Nach dem Brexit könnte deren Import mit Blick auf die Entwicklung der Wechselkurse sehr teuer werden.

(Quelle: IKZ, WP)

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